Kleve, Deutschland und die Welt

Kann Spuren von AfD und selbsternannten Demokraten enthalten

Chemtrails – Dichtung und Wahrheit

Auch in Kreisen der AfD werden zuweilen die Märchen von den Chemtrails verbreitet.

Klar, die AfD braucht viele Mitglieder, auch Leichtgläubige. Aber sie braucht eben auch Leute mit Durchblick – gerade auch in den unteren Ebenen, wie man in diesen Wochen nach der Kommunalwahl zumindest im Kreis Kleve so manches Mal schmerzhaft erkennen musste. Und Leute mit Durchblick zieht man nicht gerade an, indem man Märchen erzählt.

Insbesondere seit den 1990er Jahren halten sich hartnäckig die Chemtrail-Geschichten: Kaum sieht man einen mit weißen Streifen gemusterten Himmel, wie zum Beispiel den nachfolgend abgebildeten, schon ist “da sprühen die schon wieder“ zu hören.

(Bild: Pixabay)

Vorangestellt werden sollen die Definitionen von „Chemtrails“ und „Kondensstreifen“:

Unter „Chemtrails“ werden am Himmel sichtbaren weißen Streifen verstanden, die künstlich, also bewusst und gewollt, mithilfe chemischer Stoffe durch Flugzeuge erzeugt sein sollen.

Von „Kondensstreifen“ hingegen spricht man, wenn in großer Höhe wasserdampfhaltige Abgase von Flugzeugtriebwerken bei Vorliegen bestimmter Umgebungsbedingungen unvermeidbar kondensieren – der Name sagt es bereits.

Bei den am oben abgebildeten Himmel zu sehenden Streifen handelt es sich um Kondensstreifen, mit deren Entstehung und Aussehen es folgende Bewandtnis hat:

Die Luft in gewissen Höhen, in denen sich Flugzeuge bewegen, ist oft sehr kalt und feucht. Da kommt es dann zwangsläufig dazu, dass sich aus den von den Flugzeugtriebwerken ausgestoßenen wasserdampfhaltigen Abgasen Eiskristalle bilden; der Wasserdampf gefriert also und ist hinter den Flugzeugen als Kondensstreifen sichtbar.

Je nach Umgebungsbedingungen, im Wesentlichen die in der durchgeflogenen Luft herrschenden Temperaturen, Luftfeuchtigkeit, horizontalen und vertikalen Luftbewegungen nebst deren Geschwindigkeiten, lösen sich die Kondensstreifen bereits nach kurzer Zeit wieder auf oder bleiben auch lange am Himmel sichtbar. Insbesondere parallel verlaufende Kondensstreifen entstehen oft dadurch, dass verschiedene Flugzeuge aufgrund der vorhandenen Luftstraßen auf über dem Erdboden gleicher Route fliegen, die dabei erzeugten Kondensstreifen sich aufgrund hoher Luftfeuchte nur sehr langsam auflösen und dabei von quer zur Flugroute verlaufenden Winden verschoben werden. Auch können die im Zeitpunkt der Entstehung schmalen und scharf begrenzten Streifen bei entsprechenden  Umgebungsbedingungen (Windscherungen) „breitlaufen“, was sie dann aussehen lässt wie Cirren, oft die ersten Vorboten einer heraufziehenden Warmfront. Kein Wunder: Sowohl Cirren als auch Kondensstreifen bestehen aus der gleichen Materie: Gefrorenem Wasserdampf.

Diese Kondensstreifen gibt es nicht erst seit den Zeiten, ab denen die Chemtrail-Märchen verbreitet werden: So waren bereits im Zweiten Weltkrieg in großen Höhen fliegende Bomberverbände zu beobachten, die bei entsprechenden Umgebungsbedingungen lange, gut sichtbare Kondensstreifen hinter sich herzogen:

(Bild: Spiegel 31/2011)

Das war eine zwangsläufige Erscheinung und gewiss nicht gewollt, waren doch so diese Verbände leicht vom Boden auszumachen.

Sicher, es werden schon mal Stoffe von Flugzeugen versprüht wie etwa die Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln, Rauchfahnen mittels Rauchpatronen bei Kunst- und Schauflügen oder die Impfung von Wolken mit Silberjodid zur Beeinflussung des Abregnungsverhaltens. Das aber hat nichts mit den gezeigten Kondensstreifen zu tun.

Das gilt erst recht für wirre Erklärungen, die darin gipfeln, dass die Streifen am Himmel von Flugzeugen stammen, die systematisch Partikel ausbringen, um Menschen zu vergiften, das Bewusstsein der Weltbevölkerung zu kontrollieren, Krankheiten zu erzeugen, von denen die großen Pharma-Unternehmen profitieren, Ernten zu vernichten oder gar Aktienkurse zu manipulieren.

Also keine Panik: Die am Himmel wahrzunehmenden Kondensstreifen sind bei den gewollten Flugrouten eine physikalisch zwangsläufige Erscheinung des Flugbetriebs. Total normal.

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