Ein Gastbeitrag von Herrn Adolf Frerk
Unlängst bekannte sich US-Außenminister Robio zur Partnerschaft mit den Staaten Europas. Damit hat er hoffentlich nicht die Hegemonie einer Weltmacht gegenüber einer Gruppe von mehr oder weniger wichtigen Vasallen gemeint. Im Imperium Romanum hießen solche „Partner“ “Amici sociique populi Romani“ (Freunde und Bundesgenossen des römischen Volkes). Sie mussten artig die politische Linie des Hegemon befolgen, diesem Geldtribute, Stützpunkte und Truppenkontingente zur Verfügung stellen. Diese Bedingungen sind im deutsch-amerikanischen Verhältnis teilweise anzutreffen. Andererseits braucht Deutschland den atomaren Schutz einer Supermacht. Es wäre naiv zu glauben, dass im Fall einer atomaren Bedrohung der BRD die Atommächte Großbritannien und Frankreich ihre wenigen Bomben für ein fremdes Land „verplempern“ würden. Für Berlin oder Frankfurt sterben? So wenig wie 1939 für Prag und Warschau.
Nun droht Deutschland aber nicht nur Gefahr von bösen Nachbarn, sondern als ungleich größeres Problem der zivilisatorische Selbstmord. „Deutschland wickelt sich ab“, formulierte 2010 Thilo Sarrazin. Seitdem sind wir auf dem Weg der Selbstvernichtung viel schneller als zu befürchten vorangekommen. Der Bevölkerungsaustausch wird überall im Stadtbild deutlich; die innere Sicherheit ist ein Wunschtraum geworden; Clankriminalität und mafiöse Strukturen haben sich dauerhaft etabliert. Und die einzige Partei, die auf Abhilfe drängt, wird dämonisiert und mit allen Mitteln verfolgt.
Rubio stellte fest, dass die Deindustrialisierung – wie sie von Grünen und Roten bei uns betrieben wird – kein Naturgesetz ist. Die Massenimmigration destabilisiere systematisch westliche Gesellschaften. Kontrolle der Grenzen sei jedoch kein Akt von Fremdenfeindlichkeit, sondern Ausdruck der nationalen Souveränität, sei das Recht jeder starken Nation. Einer Reihe von europäischen Staaten drohe durch falsche Politik die zivilisatorische Auslöschung.
Allerdings ist es fraglich, ob es zur Rettung unseres eigenen Landes nicht schon zu spät ist, doch selbst ein verzweifelter Versuch und eine trügerische Hoffnung sind gerechtfertigt, wenn man den unendlichen Wert der bedrohten abendländischen Zivilisation in Betracht zieht. Darum sei hier ein Exkurs in Bereiche außerhalb der Tagespolitik gestattet.
Das westliche Abendland, zu dem neben den Staaten Europas Nord- und Südamerika, Australien, Neuseeland und letztlich auch Russland gehören, hat vor allem in den letzten sechs Jahrhunderten Leistungen für die ganze Menschheit geliefert, die selbst uralte Kulturnationen wie China und Japan bereicherten. Natürlich ist der Fortschritt nicht immer im Sinne von Moral und Humanität vor sich gegangen, denn leider ist der Mensch dem Menschen ein Wolf.
Die Suche nach den Grundlagen des Seins beginnt für uns bei den alten Griechen, die als Sinn der menschlichen Existenz das „gute und glückliche Leben“ herausfanden. Das galt aber nur für erwachsene griechische Vollbürger. Frauen, Sklaven und Barbaren waren nicht gemeint. Die mussten rund 2000 Jahre warten, bis die Aufklärung feststellte, dass alle Menschen gleich und frei geboren sind und dass sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten ausgestattet sind, unter denen die Rechte auf Leben, Freiheit, Eigentum und das Streben nach Glück hervorragen, wie es die US-Verfassung so schön sagt. Mit dieser intellektuell-politischen Ausstattung müsste für die Mehrheit der Menschen das „gute und glückliche Leben“ tatsächlich erreichbar sein, zumal in einer Demokratie mit sozialer Marktwirtschaft.
Darüber hinaus haben sich gerade die Menschen des Abendlandes mit gewaltigem Erfolg als Entdecker und Erfinder, als Denker und Organisatoren, als Handwerker und Künstler, Forscher und Wissenschaftler um jenes gute und glückliche Leben bemüht. Greifen wir als Beispiel nur den Kampf um und für das menschliche Leben heraus.
Wer hat die Pocken, die Masern, die Tollwut, Pest und Cholera, Diphtherie und Scharlach, die Malaria, die Schlafkrankheit, die Tuberkulose, die Kinderlähmung, die Syphilis besiegt? Keine asiatischen Wunderheiler oder afrikanische Medizinmänner, sondern allein Europäer. Hier sei einmal des Ignaz Semmelweis gedacht, der hunderttausende von Müttern vor einem grausamen Tod durch das sogenannte Kindbettfieber bewahrt hat, wie auch W. C. Röntgen. Übrigens haben deutsche Forscher in diesem Streit ganz besondere Leistungen erbracht und Millionen von Menschen das Leben gerettet.
Eine ähnliche Auffassung der Verdienste des „alten weißen Mannes“ und der alten weißen Frau lässt sich für alle Sphären menschlichen Wirkens erstellen, ohne in Hochmut zu verfallen. Daran dürfte Rubio gedacht haben, als er von der Gefahr zivilisatorischer Auslöschung sprach. Diesen Vorgang erleben wir faktisch jeden Tag in unserem Land und folgen trotzdem immer noch gefährlichen Ideologen und blinden Blindenleitern. Ein zu viel an Salz verdirbt jede Speise, obwohl Salz doch eine nützliche Substanz ist. In der ursprünglich balkanischen Version ist freilich die Rede von einem Fass Honig, das verunreinigt wird. Aber es muss ja nicht alles ausgesprochen werden, zumal nicht in diesen Zeiten. Vielleicht darf man aber noch sagen, dass wir das gewaltige Erbe des Abendlandes mit Nägeln und Zähnen verteidigen müssen.
Geldern, 16. Februar 2026